Ungarn vor entscheidenden Wahlen - Orban oder Magyar, Fidesz oder Tisza
Ungarn vor entscheidenden Wahlen - Orban oder Magyar, Fidesz oder Tisza
Eine Woche vor den Wahlen in Ungarn, am 12. April, liegt die Partei Tisza, des Herausforderers Peter Magyar, in Umfragen vor der Fidesz von Victor Orban, der seit 16 Jahren regiert. Ungarn wird im Rest-Europa meist im Kontext von Orbans EU-Blockade-Politik, der Abhängigkeit von russischem Öl, der Kumpanei mit dem Kriegsverbrecher Putin und dessen Angriffskrieg in der Ukraine, Korruption und der antiliberalen Gesellschaftspolitik genannt. Im westlichen Europa weiß man ansonsten wenig über Geschichte, Hintergründe, Entwicklungen, Mentalitäten, über Land und BewohnerInnen Ungarns. Mir geht es nicht anders. Es waren mir bisher nur einige markante Punkte aus der ungarischen Geschichte bekannt: Österreich-Ungarn im I. Weltkrieg, die Kooperation mit Hitler, die aktive Rolle der ungarischen Pfeilkreuzler bei der Vernichtung von tausenden von Juden, der Ungarn-Aufstand 1956 → Ungarischer Volksaufstand -Wikipedia, der von der Sowjetunion blutig niedergeschlagen wurde, die Grenzöffnungen 1989 zu Österreich, mit der Flucht der DDR-Bürger, die den Zusammenbruch der DDR im November 1989 beschleunigte.Einen guten ersten Einstieg und eine Ahnung in die tiefe Verwurzlung von Nationalismus, Konservatismus und antijüdischer Politik in Ungarn ist möglìch, wenn man den → Wikipedia-Eintrag über den Reichsverweser Miklós (Nikolaus) Horthy Iiest. Horthy (*1868 - †1957) wurde von Orban wieder aus der Kiste der Vergangenheit geholt, und 2017 zum ungarischen Helden aufgebaut. Was 2018 im Wahlkampf zu Aussagen von Orban führte wie: „Wir sind brav, wertvoll und unschuldig. Wer diese Aussagen infrage stellt, ist entweder Jude, Agent des Auslands oder Kommunist.“
Man kann nur hoffen, dass Putins Verbündete in Ungarn abgewählt werden. Ein nationalistischer Machthaber auf dem Weg in die Autokratie weniger, macht die Welt sicherer. Das sieht man aktuell am Beispiel Trump.
Kultur in Opposition (Ungarn)
Feature in DLF-Kultur, 04. April 2026, von Wilhelm Droste und Terry Albrecht.→ Feature anhören (158:53 Minuten) oder → Download (146 MB, MP3).
Das Land ist tief gespalten zwischen Fidesz und der Opposition, zwischen der Hauptstadt Budapest und dem Rest des meist ländlichen Ungarn.
Über Interviews und Aussagen von Kulturschaffenden bekommt man einen guten Einblick über Stimmungen und Befindlichkeiten vor einer entscheidenden Wahl in Ungarn. Für viele Jugendliche wird die Wahl zur Entscheidung ob sie Ungarn eine Entwicklungschance für die Zukunft geben oder das Land verlassen. Ein Interviewter im Feature meint, dass der Wandel kommen wird, da Orban seine letzten Karten verspielt hat. Eine andere Stimme ist skeptisch, da Hoffnungen auf Wandel schon zu oft enttäuscht wurden. Es bleibt spannend, auch nach der Wahl.
Presse zur Wahl in Ungarn
Wahlen in Ungarn: Kann Orban seine Macht gegen Magyar behaupten? (NZZ via Archive.is)
Viviane Bischoff, NZZ, 09.04.2026
Viktor Orban regiert Ungarn seit 2010. Bei der Wahl am Sonntag sieht er sich zum ersten Mal einem aussichtsreichen Herausforderer gegenüber. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Wahl in Ungarn und welche Strukturen sich die Regierungspartei von Orban geschaffen hat, durch die sie im Vorteil bei Wahlen ist.
Parlamentswahl in Ungarn - Alles ist offen
Kommentar von Bernadette Conrad, taz, 09.04.2026
In Umfragen sieht es für den amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán nicht gut aus. Doch so klar dürfte das Ergebnis am 12. April nicht werden.
Viktor Orbán und Russland: „Ungarn dient dem Kreml als trojanisches Pferd“
Von Lina Paulitsch, Gespräch, FALTER 15/2026, 07.04.2026
Der Investigativreporter Szabolcs Panyi über die intimen Beziehungen der Budapester Regierung zum Putin-Regime und ihren Kampf gegen Opposition und Medien.
Panyi meint, dass zwar die Wahlen in so weit frei genannt werden können, weil z.B. keine unberechtigten Wahlzettel in die Wahlurnen gestopft werden, jedoch sind sie nicht fair. Ungarn ist seit Orban ein Parteistaat, in der Fidesz fast alle Machtmittel und Medien im Griff hat. Er meint weiter, dass es schon ein Vorteil wäre, wenn Magyar die staatliche Propaganda abschafft und die Unterdrückung und Aktionen des Geheimdienstes gegen die Opposition verhindert. Doch er warnt vor übertriebenen Erwartungen. Magyar ist moderat-konservativ und kommt aus dem Fidesz-System.
... Oppositionskandidat Péter Magyar steigerte seine Beliebtheit durch analogen Wahlkampf. Er tritt täglich in der ungarischen Provinz auf und liegt einige Prozentpunkte vor Orbán. Trotzdem sei der Ausgang der Wahl völlig offen, sagt der Journalist Panyi. "In Ungarn ist nichts normal" ...
Békemenet in Budapest: Zehntausende gehen für Orbán auf die Straßen
Redaktion Tichys Einblick, So, 15. März 2026
Ein euphorischer Artikel des rechtsnationalistischen neoliberalen Tichy feiert den Aufmarsch der Orbananhänger als ein geschlossenes "Hinter-der-Regierung-stehen". Dass das höchstens die halbe Wahrheit ist, wird sich spätestens am 12. April, dem Wahltag zeigen.
Anmerkung: Tichy gründete 2023 zusammen mit Hans-Georg Maaßen, dem ehemaligen, wegen rechtsradikaler Kontakte, rechtsextremen Positionen und Falschbehauptungen geschassten Verfassungsschutzpräsidenten Deutschlands, den Verein "Stiftung Meinung & Freiheit e.V.".
(Anmerkung: ein Blick in die Kommentare des Blattes sagt genug über die Leserschaft, die durch "Tichys Blick" angesprochen wird.
Eine Woche vor den Wahlen in Ungarn, am 12. April, liegt die Partei Tisza, des Herausforderers Peter Magyar, in Umfragen vor der Fidesz von Victor Orban, der seit 16 Jahren regiert. Aber nichts ist sicher bei dieser Wahl in Ungarn.
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Ungarn vor entscheidenden Wahlen - Orban oder Magyar, Fidesz oder Tisza
Eine Woche vor den Wahlen in Ungarn, am 12. April, liegt die Partei Tisza, des Herausforderers Peter Magyar, in Umfragen vor der Fidesz von Victor Orban, der seit 16 Jahren regiert. Ungarn wird im Rest-Europa meist im Kontext von Orbans EU-Blockade-Politik, der Abhängigkeit von russischem Öl, der Kumpanei mit dem Kriegsverbrecher Putin und dessen Angriffskrieg in der Ukraine, Korruption und der antiliberalen Gesellschaftspolitik genannt. Im westlichen Europa weiß man ansonsten wenig über Geschichte, Hintergründe, Entwicklungen, Mentalitäten, über Land und BewohnerInnen Ungarns. Mir geht es nicht anders. Es waren mir bisher nur einige markante Punkte aus der ungarischen Geschichte bekannt: Österreich-Ungarn im I. Weltkrieg, die Kooperation mit Hitler, die aktive Rolle der ungarischen Pfeilkreuzler bei der Vernichtung von tausenden von Juden, der Ungarn-Aufstand 1956 → Ungarischer Volksaufstand -Wikipedia, der von der Sowjetunion blutig niedergeschlagen wurde, die Grenzöffnungen 1989 zu Österreich, mit der Flucht der DDR-Bürger, die den Zusammenbruch der DDR im November 1989 beschleunigte.Einen guten ersten Einstieg und eine Ahnung in die tiefe Verwurzlung von Nationalismus, Konservatismus und antijüdischer Politik in Ungarn ist möglìch, wenn man den → Wikipedia-Eintrag über den Reichsverweser Miklós (Nikolaus) Horthy Iiest. Horthy (*1868 - †1957) wurde von Orban wieder aus der Kiste der Vergangenheit geholt, und 2017 zum ungarischen Helden aufgebaut. Was 2018 im Wahlkampf zu Aussagen von Orban führte wie: „Wir sind brav, wertvoll und unschuldig. Wer diese Aussagen infrage stellt, ist entweder Jude, Agent des Auslands oder Kommunist.“
Man kann nur hoffen, dass Putins Verbündete in Ungarn abgewählt werden. Ein nationalistischer Machthaber auf dem Weg in die Autokratie weniger, macht die Welt sicherer. Das sieht man aktuell am Beispiel Trump.
Kultur in Opposition (Ungarn)
Feature in DLF-Kultur, 04. April 2026, von Wilhelm Droste und Terry Albrecht.→ Feature anhören (158:53 Minuten) oder → Download (146 MB, MP3).
Das Land ist tief gespalten zwischen Fidesz und der Opposition, zwischen der Hauptstadt Budapest und dem Rest des meist ländlichen Ungarn.
Über Interviews und Aussagen von Kulturschaffenden bekommt man einen guten Einblick über Stimmungen und Befindlichkeiten vor einer entscheidenden Wahl in Ungarn. Für viele Jugendliche wird die Wahl zur Entscheidung ob sie Ungarn eine Entwicklungschance für die Zukunft geben oder das Land verlassen. Ein Interviewter im Feature meint, dass der Wandel kommen wird, da Orban seine letzten Karten verspielt hat. Eine andere Stimme ist skeptisch, da Hoffnungen auf Wandel schon zu oft enttäuscht wurden. Es bleibt spannend, auch nach der Wahl.
Presse zur Wahl in Ungarn
Wahlen in Ungarn: Kann Orban seine Macht gegen Magyar behaupten? (NZZ via Archive.is)
Viviane Bischoff, NZZ, 09.04.2026
Viktor Orban regiert Ungarn seit 2010. Bei der Wahl am Sonntag sieht er sich zum ersten Mal einem aussichtsreichen Herausforderer gegenüber. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Wahl in Ungarn und welche Strukturen sich die Regierungspartei von Orban geschaffen hat, durch die sie im Vorteil bei Wahlen ist.
Parlamentswahl in Ungarn - Alles ist offen
Kommentar von Bernadette Conrad, taz, 09.04.2026
In Umfragen sieht es für den amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán nicht gut aus. Doch so klar dürfte das Ergebnis am 12. April nicht werden.
Viktor Orbán und Russland: „Ungarn dient dem Kreml als trojanisches Pferd“
Von Lina Paulitsch, Gespräch, FALTER 15/2026, 07.04.2026
Der Investigativreporter Szabolcs Panyi über die intimen Beziehungen der Budapester Regierung zum Putin-Regime und ihren Kampf gegen Opposition und Medien.
Panyi meint, dass zwar die Wahlen in so weit frei genannt werden können, weil z.B. keine unberechtigten Wahlzettel in die Wahlurnen gestopft werden, jedoch sind sie nicht fair. Ungarn ist seit Orban ein Parteistaat, in der Fidesz fast alle Machtmittel und Medien im Griff hat. Er meint weiter, dass es schon ein Vorteil wäre, wenn Magyar die staatliche Propaganda abschafft und die Unterdrückung und Aktionen des Geheimdienstes gegen die Opposition verhindert. Doch er warnt vor übertriebenen Erwartungen. Magyar ist moderat-konservativ und kommt aus dem Fidesz-System.
... Oppositionskandidat Péter Magyar steigerte seine Beliebtheit durch analogen Wahlkampf. Er tritt täglich in der ungarischen Provinz auf und liegt einige Prozentpunkte vor Orbán. Trotzdem sei der Ausgang der Wahl völlig offen, sagt der Journalist Panyi. "In Ungarn ist nichts normal" ...
Békemenet in Budapest: Zehntausende gehen für Orbán auf die Straßen
Redaktion Tichys Einblick, So, 15. März 2026
Ein euphorischer Artikel des rechtsnationalistischen neoliberalen Tichy feiert den Aufmarsch der Orbananhänger als ein geschlossenes "Hinter-der-Regierung-stehen". Dass das höchstens die halbe Wahrheit ist, wird sich spätestens am 12. April, dem Wahltag zeigen.
Anmerkung: Tichy gründete 2023 zusammen mit Hans-Georg Maaßen, dem ehemaligen, wegen rechtsradikaler Kontakte, rechtsextremen Positionen und Falschbehauptungen geschassten Verfassungsschutzpräsidenten Deutschlands, den Verein "Stiftung Meinung & Freiheit e.V.".
(Anmerkung: ein Blick in die Kommentare des Blattes sagt genug über die Leserschaft, die durch "Tichys Blick" angesprochen wird.
Europas Politiker-Elite kommt auch dieses Jahr wieder beim vorgezogenen "Derblecken am Nockherberg", bei der MSC, freudig erregt auf ihre Kosten.
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Hier folgend, der Link zur Veröffentlichung der US-Regierung mit Video und Abdruck der Rede des US-Außenministers Marco Rubio (Wikipedia) auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) am 14. Februar 2026. Link zum Original der Rede (EN) von "Secretary of State Marco Rubio at the Munich Security Conference". Eine Übersetzung ins Deutsche ist in diesem, →PDF zu finden (maschinen-übersetzt mit DeepL, gut aber ohne Gewähr).
Das Grundrauschen der Rede von Rubio bestand aus einem Appell an die Verfolgung gemeinsamer Ziele um den Westen wieder stark zu machen. Er bemühte dazu einen Mix an gequirlter Geschichtsklitterung. Er benennt Auswirkungen der kapitalistischen Krisen, und sieht deren Ursachen bei Migration, unkontrollierter Einwanderung, Klimawandelangst und den falschen Entscheidungen für globale Ordnung und Sozialstaat. etc. Das alles ist gepaart mit rassistischer, christlich religiöser, imperialistischer Kreuzzugsrethorik, mit der Aufforderung zur Gefolgschaft unter der Trump-Regierung und zwischen den Zeilen steht der bedrohliche Entzug der Zuneigung bei Nichtbefolgung.
Die versammelte europäische Polit-Elite zollt einem solchen Hasardeur und Politkarrieristen, der sich bereits als Präsidentschaftskandidat profiliert, falls mit Trump noch etwas schiefgehen sollte, zum Teil noch stehend Beifall. Das lässt sich nur mit der Selbsterkenntnis der eigenen, selbstverschuldeten Gefangenschaft in jämmerlichen kleinstaatlichen Nationalegoismen erklären. Diese Erkenntnis dämmert ihnen erst jetzt, nachdem sie durch Trump aus dem ach so gemütlich profitablen Rektum der US-Verteidigungspolitik vertrieben wurden. Da stehen sie nun, zitternd, wollen ihre US-Domina bei Laune halten und träumen vom aufmüpfigen Gang eines Zuhälters europäischer Interessen – natürlich jeder für sich (auch wenn sie etwas anderes sagen)!
Gestärkt durch diesen Beifall betreibt Rubio anschließend Realpolitik und besucht zunächst die entschiedensten antidemokratischen Regierungen in der EU, in der Slowakei und in Ungarn.
Das Grundrauschen der Rede von Rubio bestand aus einem Appell an die Verfolgung gemeinsamer Ziele um den Westen wieder stark zu machen. Er bemühte dazu einen Mix an gequirlter Geschichtsklitterung. Er benennt Auswirkungen der kapitalistischen Krisen, und sieht deren Ursachen bei Migration, unkontrollierter Einwanderung, Klimawandelangst und den falschen Entscheidungen für globale Ordnung und Sozialstaat. etc. Das alles ist gepaart mit rassistischer, christlich religiöser, imperialistischer Kreuzzugsrethorik, mit der Aufforderung zur Gefolgschaft unter der Trump-Regierung und zwischen den Zeilen steht der bedrohliche Entzug der Zuneigung bei Nichtbefolgung.
Die versammelte europäische Polit-Elite zollt einem solchen Hasardeur und Politkarrieristen, der sich bereits als Präsidentschaftskandidat profiliert, falls mit Trump noch etwas schiefgehen sollte, zum Teil noch stehend Beifall. Das lässt sich nur mit der Selbsterkenntnis der eigenen, selbstverschuldeten Gefangenschaft in jämmerlichen kleinstaatlichen Nationalegoismen erklären. Diese Erkenntnis dämmert ihnen erst jetzt, nachdem sie durch Trump aus dem ach so gemütlich profitablen Rektum der US-Verteidigungspolitik vertrieben wurden. Da stehen sie nun, zitternd, wollen ihre US-Domina bei Laune halten und träumen vom aufmüpfigen Gang eines Zuhälters europäischer Interessen – natürlich jeder für sich (auch wenn sie etwas anderes sagen)!
Gestärkt durch diesen Beifall betreibt Rubio anschließend Realpolitik und besucht zunächst die entschiedensten antidemokratischen Regierungen in der EU, in der Slowakei und in Ungarn.
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